Sonderkündigungsrecht
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Sonderkündigungsrecht ermöglicht vorzeitige Kündigung

Ein Sonderkündigungsrecht ermöglicht die vorzeitige Kündigung eines Vertrages, z.B. kann man bei einer Prämienerhöhung vorzeitig die KFZ-Versicherung kündigen. Es ist unabhängig von der ordentlichen Kündigung zum Ende einer Vertragslaufzeit.

Ein Sonderkündigungsrecht entsteht bei Versicherungsverträgen nur aus bestimmten Gründen. Es ist unabhängig vom ordentlichen Kündigungsrecht, welches besagt, dass Versicherungsverträge jederzeit ordentlich zum Ablauf des Vertrags gekündigt werden können. Dabei muss eine Kündigungsfrist eingehalten werden. Bei Kfz-Versicherungen beträgt diese Frist einen Monat, bei anderen Sachversicherungen drei Monate. Bei einer Sonderkündigung gelten jedoch teilweise andere Fristen.

Sonderkündigungsrecht bei Prämienerhöhungen

Erhöht der Versicherer zur Hauptfälligkeit des Vertrags die zu zahlende Prämie, ohne dass die Leistungen des Vertrags verbessert werden, darf der Versicherungsnehmer mit einer Frist von einem Monat ab Zugang der neuen Rechnung zur Hauptfälligkeit die Kündigung einreichen. Doch Vorsicht: Um eine Sonderkündigung zu ermöglichen, soll der Anbieter bei der Erhöhung keine Verbesserungen an den Leistungen vornehmen, die der Versicherungsnehmer aus dem Vertrag erhalten kann.

Wird zum Beispiel eine Hausratversicherung teurer, weil die Versicherungssumme des Hausrats an die aktuelle Preisentwicklung angepasst wird, entsteht kein Sonderkündigungsrecht, weil der Versicherungsnehmer mehr Leistungen aus dem Vertrag erwarten kann. Erhöht der Versicherer aber die Prämie zusätzlich um 10 Prozent, ohne dass sich die Versicherungssumme erhöht, kann der Kunde den Vertrag kündigen.

Sonderkündigungsrecht nach Schadenfall

Wird ein ersatzpflichtiger Schaden durch den Anbieter reguliert, darf der Kunde nach Abschluss der Regulierung innerhalb von vier Wochen den Vertrag sofort oder zum Ablauf des Versicherungsjahres eine Sonderkündigung einreichen. Der Schaden gilt als abgeschlossen, wenn der Versicherer die Schadenakte schließt. In der Regel erhalten Kunden darüber eine entsprechende Meldung. Das Sonderkündigungsrecht besteht im Schadenfall allerdings nicht nur beim Kunden, sondern auch beim Anbieter. Eine Kündigung durch den Versicherer nach einem Schadenfall ist aber nicht häufig. Meist sind davon Verbraucher betroffen, die bereits vorher mehrere weitere Schadenfälle hatten.

Eine Kündigung nach einem Schadenfall ist für Kunden nicht immer sinnvoll, da viele Versicherer bei schadenbelasteten Verträgen vorsichtig geworden sind. Wer das Sonderkündigungsrecht nach einem Schadenfall in Anspruch nehmen möchte, sollte im Vorwege einen neuen Versicherer auswählen und bei diesem die Annahme des Antrags abwarten. Insbesondere bei Kfz-Versicherungen kann es sonst zu bösen Überraschungen kommen. Ein Antrag auf eine Kfz-Haftpflichtversicherung kann zwar nicht abgelehnt werden, da sie gesetzlich vorgeschrieben ist, aber beim ergänzenden Schutz wie den Kaskoversicherungen ist das durchaus möglich, vor allem nach einem Schadenfall. Wer die Sonderkündigung vor dem Wechsel zum neuen Anbieter einreicht, bleibt unter Umständen ohne Versicherungsschutz.

Sonderkündigung bei der Kfz-Versicherung: Fahrzeugwechsel und Neukauf

Die Kfz-Versicherung wird immer für ein bestimmtes Fahrzeug abgeschlossen. Wird der versicherte Wagen verkauft, kann der Käufer die Versicherung übernehmen, kann aber auch von seinem Sonderkündigungsrecht Gebrauch machen und einen neuen Vertrag abschließen.

Sonderkündigungsrecht bei Kranken- und Lebensversicherungen

Bei Lebensversicherungen gibt es kein Sonderkündigungsrecht. Versicherungsnehmer können diese Verträge ohnehin mit einer Frist von einem Monat kündigen. Je nach Anbieter wird die Kündigung entweder sofort oder zum Ende des Versicherungsjahres bestätigt. Krankenversicherungen können genauso wie Sachversicherungen bei Beitragserhöhungen innerhalb von einem Monat nach Zugang der Beitragsrechnung gekündigt werden. Der Zeitpunkt der Sonderkündigung ist dann das Wirksamwerden der Beitragserhöhung.

Richtig kündigen: sich auf Sonderkündigungsrecht beziehen

Soll ein Versicherungsvertrag aufgrund des Sonderkündigungsrechts aufgehoben werden, muss auf dieses in der Kündigung hingewiesen werden. Ein Kündigungsschreiben ohne direkten Bezug auf das Sonderkündigungsrecht kann vom Versicherungsunternehmen abgelehnt werden. Erfolgt der Hinweis, bestätigt der Versicherer die Kündigung in der Regel kurzfristig.